Namibia: „Wir sind die Geister der Vergangenheit“

Mitte dieser Woche wurden im Bundestag die Genozide in der deutschen Kolonialgeschichte diskutiert – der Vernichtungskrieg gegen Ovaherero, Nama, Damara und San durch die Kolonialtruppen von 1904 bis 1908 im heutigen Namibia. Ungefähr 100.000 Menschen wurden durch die Gewalt getötet, verdursteten oder starben in deutschen Konzentrationslagern. Eine Delegation hochrangiger Vertreter*innen der Ovaherero und Nama verfolgte die Bundestagsdebatte als Besucher*innen von der Tribüne aus. Die Nachfahr*innen der Überlebenden fordern die vollständige Anerkennung als Genozide, Mitsprache bei Verhandlungen mit Namibia, Reparationen statt Entwicklungsgelder und die Rückgabe von Gebeinen von der Bundesregierung.1Gundula Haage: Nachkommen von Genozid-Opfern aus Namibia dringen auf Gerechtigkeit, epd, 14.10.2026, https://www.evangelisch.de/inhalte/260038/14-10-2026/nachkommen-von-genozid-opfern-aus-namibia-dringen-auf-gerechtigkeit; Tina Gerhäusser: Deutschland und der Kolonialismus: Wo bleibt die Aufarbeitung?, Deutsche Welle (DW), 16.10.2026, https://www.dw.com/de/deutschland-und-der-kolonialismus-wo-bleibt-die-aufarbeitung/a-79672893; Florian Weber, Hannah Jagemast; Völkermord-Nachfahren im Bundestag: Deutschland wehrt Reparationen ab, Frankfurter Rundschau, 16.10.2026, https://www.fr.de/politik/voelkermord-nachfahren-im-bundestag-deutschland-wehrt-reparationen-ab-94545146.html.

Gedenktafel für die während der deutschen Kolonialzeit in Konzentrationslagern ermordeten Ovaherero und Nama vor einer Sandfläche mit namenlosen Gräbdern in Swakopmund, Namibia
Gedenktafel für die in der deutschen Kolonialzeit in Konzentrationslagern ermordeten Ovaherero und Nama vor namenlosen Gräbern in Swakopmund, Namibia (Foto: CIPDH)

Delegationsmitglied Marcella Katjijova, Nachfahrerin überlebender Ovaherero und psychologische Beraterin bei der Ovaherero Genocide Foundation, sprach im Interview mit der Frankfurter Rundschau über ihren Eindruck von der Debatte, den Umgang mit der Erinnerung durch die Überlebenden, die Folgen für die Nachfahr*innen und den Kampf um Gerechtigkeit:

Wie fühlen Sie sich nach dieser Plenardebatte?
Es war ein sehr bedeutsamer Moment für mich. Das größte Zeichen von Respektlosigkeit war, dass man uns nicht einmal eine einfache Übersetzung bereitgestellt hat. Das ist das absolute Minimum. Viele von ihnen sprechen Englisch, doch sie konnten nicht einmal ein einfaches „Guten Abend, schön, dass Sie da sind“ herausbringen, bevor sie auf Deutsch fortfuhren. …

Das gesamte Interview lesen: Herero-Nachfahrin im Bundestag: „Sie stehen uns ablehnend gegenüber“

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