Auch die Rhein-Ruhr-Region möchte sich, mit Köln als Schwerpunktstadt und unter der Bezeichnung KölnRheinRuhr, neben Berlin, München, Hamburg für die Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben. In einem Ratsbürgerentscheid soll in den betroffenen Städten (also auch in Dortmund) von den Einwohner*innen am 19. April über die Bewerbungsbeteiligung abgestimmt werden.1Mehr dazu hier: Stadt Dortmund | Engagement & Bürger*innenbeteiligung | Olympia Dass die Bewerbung dann (unter anderem) ausgerechnet das 100. Jubiläumsjahr der NS-Olympiade 1936 in Berlin betrifft, ein Propagandaspektakel vor furchtbarem Hintergrund, stört offensichtlich nicht.
Damals erließen ab 1933 viele Sportvereine in vorauseilender Selbstgleichschaltung einen „Arierparagrafen“, durch den jüdische Sportler*innen (einige schon bei einem jüdischen Großelternteil bzw. auch andere, z. B. Marxist*innen) aus Vereinen ausgeschlossen wurden.2Berno Bahro: „Den Mitgliedsvereinen wird ferner empfohlen, ihren jüdischen Mitgliedern das Ausscheiden nahe zu legen“ – Der Umgang Berliner Sportvereine mit jüdischen Mitgliedern im Jahr 1933, in: Bahro, Braun, Teichler (Hg.): Vergessene Rekorde. Jüdische Leichtathletinnen vor und nach 1933, Berlin, 2009, S. 100 ff. Eine von ihnen war Lilli Henoch (Lilli Margarethe Rahel Henoch, * 26.10.1899), in den 20er Jahren die bedeutendste deutsche Leichtathletin (mehrmals Meisterin im Kugelstoßen, Diskuswurf, Weitsprung und Staffellauf mit einigen Weltrekorden3Unterschiedlichen Quellen zufolge waren es vier oder fünf.), die noch im Januar 1933 zur Vorsitzenden der Frauenabteilung ihres Vereins, des Berliner Sport-Clubs (BSC), gewählt worden war. Im August 1933 wurde die Leichtathletikpionierin – der leichtathletische Frauen*sport hatte sich erst durchsetzen müssen, mit z. B. den ersten Olympiateilnehmerinnen* 1928 – von der Mitgliederliste des BSC gestrichen.

(Foto im Begleitband zur Ausstellung „Vergessene Rekorde“ 2009)
Trotz Schwimmbad- und Sportplatzverboten oder Übergriffen hatten die im Vorfeld der Olympiade noch geduldeten jüdischen Sportvereine danach zunächst Zulauf – und Lilli Henoch konnte (unter anderem) für den Jüdischen Turn- und Sportclub 1905 eine gegen andere jüdische Klubs erfolgreiche weibliche Handballauswahl aufbauen. Ab 1933 unterrichtete sie außerdem an einer jüdischen Volksschule in Berlin/Prenzlauer Berg als Turnlehrerin. 1942 wurde sie zusammen mit ihrer verwitweten Mutter deportiert; sie wurden in der Nähe von Riga ermordet.
„die furchtbare Kehrseite der Medaillen“ weiterlesen



