Indonesiens Parlament hat am Dienstag schließlich nach über zwei Jahrzehnten ein Gesetz zum Schutz der Hausangestellten verabschiedet. Die zuerst 2004 eingebrachte Gesetzesvorlage war wiederholt blockiert worden, so dass Hausangestellte in Indonesien bisher rechtlich nicht als Arbeitnehmer*innen betrachtet wurden; sie arbeiten informell und sind oft Ausbeutung und Misshandlungen ausgesetzt. Dem indonesischen Arbeitsministerium zufolge sind dort etwa 4,2 Millionen Personen, von denen fast 90 % Frauen* sind, in den Haushalten beschäftigt. Im Parlament brandeten infolgedessen Jubel und Applaus der Zuschauer*innen auf, nachdem die Abgeordneten das Gesetz beschlossen hatten. „Es fühlt sich wie ein Traum an“, sagte Ajeng Astuti, eine der Hausangestellten. Es sei für sie als marginalisierte Frauen ein 22-jähriger Kampf gewesen.

Hausangestellte sollen zukünftig unter anderem ein Anrecht auf Gesundheitsversorgung, Ruhezeiten oder Rentenzahlungen haben. Das Gesetz verbietet außerdem die die momentan noch häufige Beschäftigung von unter 18-Jährigen als Hausangestellte, Vermittlungsagenturen für Personal dürfen demnächst vom Lohn der Vermittelten keine Provisionen mehr einbehalten. Die Gesetzgebung beziffert keinen Mindestlohn, aber legt einen Zeitraum von 12 Monaten für die Regierung fest, um Anwendungsvorschriften auszuarbeiten, einschließlich der Strafen für eine Nichteinhaltung.
Das Netzwerk Jala PRT für die Rechte von Hausangestellten, das sich seit längerem für das Gesetz eingesetzt hat, begrüßte dessen Verabschiedung als „historischen“ Moment. Lita Anggraini, Koordinatorin von Jala PRT, warnte dennoch, „der Kampf ist noch nicht vorbei“ und es sei eine Bildungskampagne notwendig, um die Arbeitgeber*innen über ihre Pflichten zu unterrichten. Die Organisation registrierte zwischen 2021 und 2024 über 3.300 Fälle von Gewalt gegen Hausangestellte, unter anderem physische und psychische Misshandlungen oder wirtschaftliche Ausbeutung bis hin zu Menschenhandel.
Möglicherweise ist es für Präsident Prabowo Subiantos (Ex-General und früherer Schwiegersohn von Diktator Suharto) Regierung nötig geworden, Entgegenkommen zu zeigen: Letztes Jahr im August/September erlebte das Land Massenproteste, die durch eine Wohnkostenzulage für Abgeordnete von 50 Millionen indonesischen Rupien (2.630 Euro) ausgelöst wurden; die Beihilfe war fast zehnmal so hoch wie der Mindestlohn. Polizei und Militär griffen hart durch, Regierungsgebäude wurden in Brand gesetzt und mindestens sieben Menschen starben. Zwar wurden danach Vergünstigungen für Parlamentarier*innen gestrichen und Minister*innen entlassen, aber die Ursache, soziale Ungleichheit und massive Armut der Bevölkerungsmehrheit bei gleichzeitig steigenden Lebenshaltungskosten, bleibt bestehen.
Quellen:
Yvette Tanand/Faisal Irfani: Domestic workers legally recognised in Indonesia after ’22-year struggle‘, BBC, 21.04.2026; Indonesia passes long-awaited law to protect domestic workers (AFP), The Straits Times, 21.04.2026; Fika Ramadhani, Rakha Susanto, Joan Aurelia Rumengan: Indonesien: Was steckt hinter den Massenprotesten?, Deutsche Welle, 04.09.2025; Indonesischer Präsident entlässt Minister nach tödlichen Protesten (DIE ZEIT, AP, AFP, yer), DIE ZEIT, 08.09.2025.

