„eine Gesellschaft, in der militärische Konflikte keinen Platz haben“

Russische feministische Gruppen haben als in etlichen Städten Russlands vernetzter Feministischer Widerstand gegen den Krieg Ende Februar ein Manifest gegen den Ukraineangriff verfasst. In der Erklärung (ein Zugang zu Übersetzungen in mehrere Sprachen und anderen Veröffentlichungen ist hier) heißt es unter anderem:

„… Feminismus als politische Kraft kann nicht auf der Seite eines Angriffskrieges und einer militärischen Besatzung stehen. Die feministische Bewegung in Russland kämpft für benachteiligte Gruppen und die Entwicklung einer gerechten, gleichberechtigten Gesellschaft, in der Gewalt und militärische Konflikte keinen Platz haben dürfen.
Krieg bedeutet Gewalt, Armut, Zwangsvertreibung, zerstörte Leben, Unsicherheit und fehlende Zukunft. Er ist unvereinbar mit den grundlegenden Werten und Zielen der feministischen Bewegung. Krieg verschärft die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und wirft menschenrechtliche Errungenschaften um viele Jahre zurück.

Der gegenwärtige Krieg wird, wie Putins Ansprachen zeigen, auch unter dem Banner jener von Regierungsideologen verkündeten ‚traditionellen Werte‘ geführt, die Russland in der ganzen Welt missionarisch zu verbreiten vorgibt, indem es Gewalt gegen diejenigen anwendet, die sich weigern, diese Werte zu akzeptieren oder andere Ansichten vertreten. Alle, die zu kritischem Denken fähig sind, verstehen, dass zu diesen ‚traditionellen Werten‘ die Ungleichheit der Geschlechter, die Ausbeutung der Frauen und die staatliche Unterdrückung von Menschen gehören, deren Lebensweise, Selbstverständnis und Handeln solch engen patriarchalischen Normen nicht entsprechen. …“

9 Tage Haft für Protest in Jekaterinburg
In Jekaterinburg wurde eine feministische Aktivistin* wegen Organisation einer „Women in Black“-Mahnwache (dunkelgekleidete Frauen* mit weißen Rosen) zu neun Tagen Haft verurteilt. Festnahmen wegen ähnlichen Protesten fanden auch an anderen Orten statt. (Bild: @fem_antiwar_resistance)

Das Manifest des Feministischen Widerstands gegen den Krieg endet mit einem Appell zur Zusammenarbeit:
„… Wir brauchen die ganze Welt, um die Ukraine in diesem Moment zu unterstützen und Putins Regime jede Unterstützung zu entziehen.
Teilt dieses Manifest mit anderen. Es ist notwendig zu zeigen, dass Feministinnen gegen diesen Krieg sind – und gegen jede Art von Krieg. Ebenso wichtig ist es zu beweisen, dass es noch russische Aktivistinnen gibt, die bereit sind, sich zum Widerstand gegen Putins Regime zusammenzuschließen. Wir alle laufen jetzt Gefahr, vom Staat verfolgt zu werden und brauchen eure Unterstützung.“

Für den 8. März rief der Feministische Widerstand ebenso wie zum 18. März (dem in Russland gefeierten Jahrestag des Krim-Anschlusses an die Russische Föderation) und 19. März (dem Totengedenktag der Russischen Orthodoxen Kirche) zu Protestaktionen auf. Dabei handelte es sich beispielsweise am 8. März um die demonstrative Niederlegung von Blumen an sowjetischen Kriegsdenkmälern in über 90 Städten, in St. Petersburg und Moskau wurden Beteiligte festgenommen. Die russische Menschenrechtsorganisation OVD-Info hat inzwischen (bis zum 17. März) (mindestens) 14.906 festgenommene Personen wegen Antikriegsprotesten gezählt. Festnahmen erfolgten auch wegen Plakaten, auf denen die Buchstaben der russischen Worte „Kein Krieg“ (Нет войне) durch Sternchen ersetzt worden waren oder einfach nichts stand.1Oksana Mironova/Ben Nadler: Russia’s Anti-War Protesters Are Facing Unprecedented Repression, JewishCurrents, 17.03.2022, https://jewishcurrents.org/russias-anti-war-protesters-are-facing-unprecedented-repression.

Die Opposition wird dennoch ausgedrückt, auch wenn viele Kundgebungen aufgrund harter Repressionen eher ruhig sind. „Feministische Organisationen haben den Vorteil, dass die Aktivistinnen schon vor dem Krieg starke horizontale Verbindungen zwischen den Regionen und Kontinenten aufgebaut haben und über umfangreiche Erfahrungen bei der Durchführung von Vernetzungsaktionen zur gegenseitigen Hilfe und zum Protest verfügen“, sagte eine Initiatorinnen* des Feministischen Widerstands gegen den Krieg in Russland dem oppositionellen Studierendenmagazins DOXA. „Die Schwäche der russischen Sicherheitsdienste ist, dass sie ‚vertikal‘ denken und bei jedem Protest nach einem ‚Kopf‘ suchen, den sie abschlagen können. Horizontale Proteste haben aber keinen ‚Kopf‘, eine verhaftete Aktivistin wird durch Dutzende andere ersetzt.“2DOXA: »Ein horizontaler Protest hat keinen Kopf«, analyse & kritik, 16.03.2022, https://www.akweb.de/bewegung/doxa-wer-initiiert-antikriegsaktionen-in-russland-und-wie/.

Kommunikationskanäle:
https://twitter.com/femagainstwar
https://t.me/s/femagainstwar
https://www.instagram.com/fem_antiwar_resistance/

(Gleichzeitige) feministische Antikriegsproteste in anderen Ländern, zu denen die feministische Organisierung in Russland aufgerufen hat, werden (auf Twitter) unter dem Hashtag #FeministAntiWarResistance gepostet.

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