#BringBackOurGirls

Nigerias Militär hat mittlerweile nach eigenen Angaben Informationen über den Aufenthaltsort der über 200 Schülerinnen, die im April im Nordosten Nigerias von der Boko-Haram-Gruppe entführt wurden und weiterhin festgehalten werden. Allerdings werde die Armee sie nicht mit Gewalt befreien, sagte am Montag Luftwaffen-Marschall Alex Badeh in der Hauptstadt Abuja. Ihr Leben solle nicht in Gefahr gebracht werden. Dass der bisherige Einsatz der nigerianischen Sicherheitskräfte gegen Boko Haram nicht nur Leben gefährdet hat, sondern Hunderte von Menschen das Leben gekostet hat, darüber berichtet die Onlineplattform Pambazuka News. In nur einem Dorf seien 200 Menschen vom Militär getötet worden. Im März waren Amnesty International zufolge nach einem Angriff von Boko Haram auf Kaserne und Gefängnis in Maiduguri (der Hauptstadt des Bundesstaats Borno) mehr als 600 Menschen extra-legal von Sicherheitskräften ermordet worden, „die meisten von ihnen unbewaffnete, geflohene Gefangene“.

Der Ort Chibok, aus dem die Schülerinnen entführt wurden, liegt etwa 130 km von Maiduguri entfernt.

Pambazuka News warnt ebenfalls, dass die Kampagne für die verschleppten Schülerinnen ein Vehikel für eine stärkere westliche Militärpräsenz in Nigeria sein könne. Ähnliche Warnungen wurden nach einem Bericht auf the feminist wire auch Anfang Mai auf einer Kampagnen-Kundgebung in Philadelphia geäußert, bei der Rednerinnen forderten, die Kampagne BringBackOurGirls dürfe keine Militärintervention legitimieren. Bereits für die Intervention in Afghanistan habe die „Rettung der Mädchen und Frauen“ als Vorwand gedient. Die Instrumentalisierung von Geschlechterbildern – bzw. die „Befreiung der afghanischen Frauen“, die als Begründung für die Führung des war on terror auf die Tagesordnung gesetzt wurde – für die Afghanistan-Intervention war auch im damaligen hiesigen Kontext als Kriegslegitimation verwendet worden.

Rafia Zakaria schreibt in diesem Zusammenhang über die „Positionierung eines erwachsenen, befreiten westlichen Feminismus“ gegen einen „Schulmädchen-Feminismus“, der die Vorstellung von schwarzen und braunen Mädchen transportiere, die „gerade beginnen, sich nach einer Ausbildung zu drängen und westliche Befreiung erwarten“. „Es gab eine Zeit, die nicht sehr lang zurückliegt, in der westliche Feministinnen für alle Frauen sprachen. In Pakistan und Nigeria portraitierten viktorianische und edwardianische Feministinnen und noch häufiger die Frauen britischer Kolonisatoren schwarze und braune Frauen beständig als unzivilisierte und gefangene Andere, gegen die ihre eigene Befreiung gesetzt werden konnte und die Ausbeutung jener Länder gerechtfertigt. Angesichts dieser Geschichte hat die Entstehung des Schulmädchen-Paradigmas – bei dem eine Seite so sichtbar ungleich, jünger und einfacher ist – als Basis für feministisches und aktivistisches Engagement gerade genug Ähnlichkeit mit der Vergangenheit, um eine weitere Untersuchung und Neuüberlegung zu erfordern.“

Medienberichten zufolge (hier oder hier) hat Nigerias Ex-Präsident Olusegun Obasanjo als Unterhändler vor einigen Tagen mit Boko Haram Kontakt aufgenommen. Eine angebotene Freilassung von Schülerinnen im Austausch gegen die Freilassung gefangener Boko-Haram-Mitglieder sei allerdings bereits gescheitert, da der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan den Gefangenenaustausch ablehnte. In Nigeria fanden währenddessen weitere Protestdemonstrationen statt, bei denen Familien der Entführten und Unterstützer_innen die Rückkehr der Schülerinnen fordern.

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