Indonesiens Parlament hat am Dienstag schließlich nach über zwei Jahrzehnten ein Gesetz zum Schutz der Hausangestellten verabschiedet. Die zuerst 2004 eingebrachte Gesetzesvorlage war wiederholt blockiert worden, so dass Hausangestellte in Indonesien bisher rechtlich nicht als Arbeitnehmer*innen betrachtet wurden; sie arbeiten informell und sind oft Ausbeutung und Misshandlungen ausgesetzt. Dem indonesischen Arbeitsministerium zufolge sind dort etwa 4,2 Millionen Personen, von denen fast 90 % Frauen* sind, in Haushalten beschäftigt. Im Parlament brandeten infolgedessen Jubel und Applaus der Zuschauer*innen auf, nachdem die Abgeordneten das Gesetz beschlossen hatten. „Es fühlt sich wie ein Traum an“, sagte Ajeng Astuti, eine der Hausangestellten. Es sei für sie als marginalisierte Frauen ein 22-jähriger Kampf gewesen.
Dieser Blogpost ist die leicht gekürzte Übersetzung eines (lesenswerten, aber ziemlich langen) Beitrags auf der Plattform African Feminism, der die lebensgefährliche Lage queerer Personen im Senegal beschreibt und – entgegen des Narrativs von Queerness als „westlichem Konzept“ – die koloniale und neokoloniale Unsichtbarmachung afrikanischer Diversität beleuchtet. Hintergrund ist eine im März verabschiedete und nun durch Unterschrift des Präsidenten in Kraft gesetzte drastische Strafverschärfung für gleichgeschlechtliche Beziehungen und deren „Förderung“ oder „Finanzierung“. Auch wenn die Situation hier (glücklicherweise!) weit entfernt von einer Bedrohung queerer Existenz wie im Senegal oder in anderen, nicht nur afrikanischen Ländern ist, hat die Mobilisierung gegen queere und trans* Personen (bzw. gegen ‚Gender‘ allgemein), um eine hierarchisierte binäre Geschlechter- und Gesellschaftsordnung zu forcieren, zuletzt ebenfalls zugenommen. Entsprechend werden Kampagnen gegen LGBTIQ+ auf dem afrikanischen Kontinent nicht nur, wie auch im Artikel erwähnt, aus den USA unterstützt, sondern ebenso von europäischen fundamentalistischen Organisationen, wie Ordo luris aus Polen oder Christian Voice aus Großbritannien.1Āryā Jeipea Karijo, Haley McEwen, Joy Asasira, Olabukunola Williams:Guns and Bibles: How US radicalisation threatens African states’ security, openDemocracy, 07.08.2025, https://www.opendemocracy.net/en/5050/guns-and-bibles-how-us-radicalisation-threatens-african-states-security/. Asylrechtlich gilt der Senegal hier übrigens als „sicherer Herkunftsstaat“, d. h. es wird davon ausgegangen, dass dort keine Verfolgung droht, und Flüchtende unterliegen zusätzlichen Einschränkungen und haben wenig Chancen auf Anerkennung.2Dazu unter anderem: Dr. Claudia Engelmann: Sichere Herkunftsländer, Bundeszentrale für politische Bildung, 09.05.2016, https://www.bpb.de/themen/migration-integration/kurzdossiers/227456/sichere-herkunftslaender/. Der LSVD⁺ – Verband Queere Vielfalt fordert deshalb (unter anderem) die Streichung des Senegals von der Liste „sicherer Herkunftsstaaten“3Asylrecht: Ghana und Senegal keine sicheren Herkunftsstaaten, LSVD⁺ – Verband Queere Vielfalt e.V., https://www.lsvd.de/de/ct/6722-ghana-senegal-keine-sicheren-herkunftsstaaten.,was jedoch im derzeitigen Klima leider kaum passieren wird.
Aber hier kommt jetzt der übersetzte Beitrag, aus Sicherheitsgründen von dem*der senegalesischen Autor*in anonym geschrieben:
Autopsie eines tödlichen Systems: Wie Senegal seine queeren Bürger*innen zur Zielscheibe machte
Zwei Tage nach Verabschiedung der neuen, strikten Anti-Queer-Gesetzgebung im Senegal wurde der 17-jährige Malick Ndiaye getötet. Als Ndiaye, ein Trommler, in Tivaouane-Peulh in der Region Thiès östlich der Hauptstadt Dakar vor seinem Zuhause saß, näherte sich ihm eine Gruppe von Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren, die ihn mit homophoben Beschimpfungen beleidigten. Sie sagten ihm, alle traditionellen männlichen Trommler im Senegal seien homosexuell. Als sie ihn angriffen, versuchte Ndiaye, sich zu verteidigen, und einer der Jugendlichen stach mit einem Messer auf ihn ein. Er starb später im Krankenhaus.
An der Demonstration zum Feministischen Kampftag in Bochum – wie in den letzten Jahren eingerahmt von längeren Aktionswochen – beteiligten sich heute gut und gerne 3.000 Personen. Sie starteten am Hauptbahnhof, bewegten sich durch die Innenstadt und zum Schauspielhaus zurück. Hier ein paar schnelle Eindrücke:
(Zum Vergrößern auf die Bilder klicken)
Bereits gestern Abend versammelten sich am U in Dortmund einige hundert Menschen, um mit der feministischen VorabenddemoKein Gott, kein Staat, kein Patriarchat in Dortmunds Norden zu laufen. Und weil es immer sinnvoll ist, Blicke über die eigenen Tellerränder zu werfen: Hier der Hinweis auf Aufrufe aus anderen Städten und aus anderen Ländern zum 8. März und ebenfalls zum 9. März als globaler Frauen*-Streiktag, die (wie sonst auch) im Labournet zu finden sind. Und außerdem auf die eine oder andere Fotoauswahl von den Demonstrationen und Kundgebungen weltweit hier oder hier und besonders in Lateinamerika (immer schön zu sehen).
Auch die Rhein-Ruhr-Region möchte sich, mit Köln als Schwerpunktstadt und unter der Bezeichnung KölnRheinRuhr, neben Berlin, München, Hamburg für die Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben. In einem Ratsbürgerentscheid soll in den betroffenen Städten (also auch in Dortmund) von den Einwohner*innen am (sorry) bis zum 19. April über die Bewerbungsbeteiligung abgestimmt werden.1Mehr dazu hier: Stadt Dortmund | Engagement & Bürger*innenbeteiligung | Olympia Dass die Bewerbung dann unter anderem ausgerechnet das 100. Jubiläumsjahr der NS-Olympiade 1936 in Berlin betrifft, ein Propagandaspektakel vor furchtbarem Hintergrund (zu dem hier einige Absätze folgen), stört offensichtlich nicht.
Damals erließen ab 1933 viele Sportvereine in vorauseilender Selbstgleichschaltung einen „Arierparagrafen“, durch den jüdische Sportler*innen (einige schon bei einem jüdischen Großelternteil bzw. auch andere, z. B. Marxist*innen) aus Vereinen ausgeschlossen wurden.2Berno Bahro: „Den Mitgliedsvereinen wird ferner empfohlen, ihren jüdischen Mitgliedern das Ausscheiden nahe zu legen“ – Der Umgang Berliner Sportvereine mit jüdischen Mitgliedern im Jahr 1933, in: Bahro, Braun, Teichler (Hg.): Vergessene Rekorde. Jüdische Leichtathletinnen vor und nach 1933, Berlin, 2009, S. 100 ff. Eine von ihnen war Lilli Henoch (Lilli Margarethe Rahel Henoch, * 26.10.1899), in den 20er Jahren die bedeutendste deutsche Leichtathletin, mehrmals Meisterin im Kugelstoßen, Diskuswurf, Weitsprung und Staffellauf mit Weltrekorden3Unterschiedlichen Quellen zufolge waren es vier oder fünf., die noch im Januar 1933 zur Vorsitzenden der Frauenabteilung ihres Vereins, des Berliner Sport-Clubs (BSC), gewählt worden war. Im August 1933 wurde die Leichtathletikpionierin – der leichtathletische Frauen*sport hatte sich erst durchsetzen müssen, mit etwa den ersten Olympiateilnehmerinnen* 1928 – von der Mitgliederliste des BSC gestrichen.
Lilli Henoch bei den deutschen Leichtathletikmeisterschaften in Duisburg 1922 (Foto im Begleitband zur Ausstellung „Vergessene Rekorde“ 2009)
Trotz Schwimmbad- und Sportplatzverboten oder Übergriffen hatten danach die im Vorfeld der Olympiade noch geduldeten jüdischen Sportvereine zunächst Zulauf – und Lilli Henoch konnte (unter anderem) für den Jüdischen Turn- und Sportclub 1905 eine weibliche Handballauswahl aufbauen, die erfolgreich gegen weitere jüdische Klubs antrat. Ab 1933 unterrichtete sie außerdem an einer jüdischen Volksschule in Berlin/Prenzlauer Berg als Turnlehrerin. Im Jahr 1942 wurde sie zusammen mit ihrer verwitweten Mutter deportiert; sie wurden in der Nähe von Riga ermordet.