Samstag in Dresden: unteilbar_feministisch

Ungefähr 40.000 Menschen haben gestern an der #unteilbar-Demonstration (für eine offene und freie Gesellschaft) in Dresden teilgenommen. Unter anderem gab es einen queer-feministischen Block.

Wer gegen Nationalismus protestiert, darf von Sexismus nicht schweigen: Die imaginierte Idylle traditionelle Familie, auf deren Werte nationalistische Bezugnahmen zurückzugreifen behaupten, hat ohnehin so nie existiert (bloß in der Wirtschaftswunderwerbung – die gepflegte Hausfrau in der gestärkten Schürze in der Küche, die ordentlich frisierten Kinder). Sondern es wird über solche ahistorischen Familienvorstellungen „Nation“ (diskursiv) hergestellt. Geschlechterrollen werden festgeschrieben und dem weiblichen Geschlecht die Rolle von Reproduzentinnen dieser „Gemeinschaft“ zugewiesen, die als homogene konstruiert wird. Eine Auseinandersetzung aus queer-feministischer Perspektive ist daher geradezu zwangsläufig.

Trotz dieser naheliegenden Verbindung musste Nira Yuval-Davis in ihrem Buch „Geschlecht und Nation“1Nira Yuval-Davis: Geschlecht und Nation, Emmendingen 2001, S. 11/12. feststellen, dass die „gängigen Theorien zu Nation und Nationalismus … Geschlechterbeziehungen als irrelevant“ betrachten. „Dennoch gibt es in der Literatur zum Thema Nationalismus normalerweise keinen Hinweis auf Frauen, selbst dann nicht, wenn Themen wie die „Schaffung“ oder die „Reproduktion“ diskutiert werden. Stattdessen wird bei „Schaffung“ und „Reproduktion“ an Staatsbürokraten oder an Intellektuelle gedacht. … Trotzdem … sind es Frauen – und nicht (bloß) die Bürokratie und Intelligenz –, welche Nationen biologisch, kulturell und symbolisch reproduzieren. Warum also bleiben Frauen für gewöhnlich ungenannt in all den theoretischen Ansätzen zu Erklärung nationalistischer Theorien?“ Die Kontrolle über die weiblichen Körper ist natürlich in diesen Reproduktionskontexten von großer Bedeutung – die Frauen* selbst dagegen, die häufig „geschützt“ werden sollen bzw. um die es gehen soll, wie behauptet wird, ihre Wünsche, ihre Selbstbestimmung etc. sind tatsächlich bedeutungslos.

Selbstverständlich darf auch und insbesondere von Rassismus nicht geschwiegen werden. Alltägliche Rassismen konstruieren ein Wir, mit dem als Andere Betrachtete als außerhalb unserer Normalität kategorisiert und (teilweise gewaltvoll) ausgeschlossen werden. Der Tod von Flüchtlingen im Mittelmeer wird tagtäglich billigend in Kauf genommen.

Grenzen dienen der Kontrolle von Bevölkerungen, ihrem Einschluss und Ausschluss, der Abstufung von Ausbeutungs- und Reproduktionsverhältnissen unter nach bestimmten Merkmalen etikettierten Menschen. Rassismus will Bevölkerungsgruppen vom Zugang zu materiellen Gütern ausschließen und zudem symbolisch von der „Familie der Nation“ ausnehmen, um darüber eine gemeinsame Identität einer Mehrheitsbevölkerung vorzugaukeln. Migration als Überschreitung einer räumlichen Ordnung von Herrschaft verbindet sich mit der Hoffnung auf ein besseres Leben für alle. Der antirassistische ‚We’ll-Come-United‘-Block (oder Parade-Power-Block) aus Flüchtlingen und solidarischen Menschen bestand in Dresden (erfreulicherweise) aus etwa 10.000 Demonstrant*innen.

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